ARTFEED — Contemporary Art Intelligence

Irmgard Keuns «Das kunstseidene Mädchen»: Doris' Aufstieg zwischen Glanz und Schein

publication · 2026-09-27

Irmgard Keuns Kultroman «Das kunstseidene Mädchen» schildert den Aufstieg der jungen Stenotypistin Doris, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt und von einer Karriere am Theater oder beim Film träumt. Überzeugt von ihrer eigenen Besonderheit – «Ich erkannte, dass etwas Besonderes in mir ist» – kaschiert sie ihre Kommafehler, indem sie dem Anwalt schmachtende Blicke zuwirft. Der Roman spielt Anfang der 1930er-Jahre, als für ein einfaches Mädchen Ruhm und Reichtum oft nur über die richtigen Männerbekanntschaften erreichbar waren. Zwischen der elften und zwölften Bekanntschaft stiehlt Doris im Theater einen Pelzmantel und zieht nach Berlin, wo sie sich von Bekanntschaft zu Bekanntschaft hangelt – immerhin vor mondänerer Kulisse. Nach einem Reigen halbseidener Erfahrungen erkennt sie, dass Glanz nicht alles auf der Welt ist. Die Rezension hebt den Humor des Buches hervor: Doris' zweckdienliches Weltbild, in dem rostige Sicherheitsnadeln in der Unterwäsche als Moral zur Beischlafverhinderung gelten und «etwas Liebe dabei sein muss» als Ideal, sowie ihr Pragmatismus, angebissene Pralinés zusammenzumantschen und weiterzuverschenken. Die Ullstein-Ausgabe von 2001 umfasst 208 Seiten. Der Vergleich mit Kunstseide – aus der Ferne nobel, bei näherer Betrachtung billig und schäbig – durchzieht die Deutung von Doris' Leben.

Key facts

  • Irmgard Keuns Roman «Das kunstseidene Mädchen» handelt von der Stenotypistin Doris
  • Doris stammt aus ärmlichen Verhältnissen und arbeitet in einer Anwaltskanzlei
  • Sie träumt von Ruhm am Theater oder beim Film
  • Die Handlung spielt Anfang der 1930er-Jahre
  • Doris stiehlt im Theater einen Pelzmantel und zieht nach Berlin
  • Der Roman erschien bei Ullstein, Ausgabe von 2001, 208 Seiten
  • Doris hält rostige Sicherheitsnadeln in der Unterwäsche als Moral
  • Sie verschenkt zusammengemantschte angebissene Pralinés weiter

Entities

Artists

  • Irmgard Keun
  • Doris

Institutions

  • Ullstein
  • NZZ

Locations

  • Berlin
  • Deutschland

Sources